Wir waren schon immer hier! – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Deutsch-afrikanische Begegnungsgeschichte von der Antike bis heute

Kurs-Nr: 319-04 | Seminar | 11 x 90 Min. | Donnerstag 10:00 – 11:30 Uhr

Kursgebühr: 225,- €

Termine: 19.09. / 26.09. / 10.10. / 17.10. / 31.10. / 07.11. / 14.11. / 21.11. / 28.11. / 05.12. / 12.12.2019

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kursbeschreibung:

Auch in einer Großstadt wie Köln sehen sich „afrikanisch“ aussehende Menschen mit der Frage konfrontiert, wann sie denn „zurück nach Hause“ gehen. Dass es Schwarze Deutsche gibt, ist mit den Vorstellungen vieler nicht vereinbar. Dies wird gerade in jüngster Zeit durch die Debatten über Zuwanderung, über afrikanische Flüchtlinge und das angebliche „volle Boot“ wieder besonders deutlich. Dabei leben Menschen afrikanischer Herkunft schon seit vielen Generationen in unserem Land, sind Teil einer weitgehend unbekannten afrikanisch-deutschen Begegnungsgeschichte, die vielschichtig und spannend ist.

Gerade in Köln begann diese Begegnungsgeschichte schon mit den Römern. Die Heiligen Gereon und Gregorius Maurus, deren Gebeine in St. Gereon aufbewahrt werden, waren afrikanischen Ursprungs und starben in Köln den Märtyrertod. Die Mohrenstraße in Köln verweist auf diese beiden Heiligen. Auch dem Heiligen Mauritius und dem König Caspar wird ein afrikanischer Ursprung zugesprochen.

Bewegen wir uns mit diesen Personen eher im Bereich der Sagen und Legenden, so waren seit dem 17. Jahrhundert Afrikanerinnen und Afrikaner tatsächlich Teil der höfischen Kultur im deutschsprachigen Raum. 1727 studierte der erste Afrikaner, Anton Wilhelm Amo, an der Universität Halle Philosophie und Rechtswissenschaften. In Wien stieg der vermutlich im heutigen Ostnigeria geborene Angelo Soliman zum Ende des 18. Jahrhunderts in eine führende Position in einer Freimaurerloge auf. Rund 100 Jahre später schickten einflussreiche afrikanische Familien ihre Söhne nach Deutschland zum Studium oder zu anderweitiger Ausbildung. Andere kamen als Darstellerinnen und Darsteller in Völkerschauen ins Land. Nicht wenige blieben hier und gründeten afrikanische-deutsche Familien. Für diese Menschen war es nicht einfach, ein Auskommen zu finden und damit ihre Existenz zu sichern. Trotzdem versuchten sie, ein „normales“ Leben zu führen, soweit dies in einer überwiegend weißen Gesellschaft möglich war. Besonders schwierig wurde das Überleben auch für sie nach 1933, als im deutschen „Rassestaat“ sogenannte „artfremde“ nicht mehr geduldet wurden. Einigen gelang es, Strategien des Überlebens zu entwickeln, andere wurden zu Opfern des NS- Unrechtsstaates, denen nach 1945 meist die Anerkennung verweigert wurde.

Im Rahmen des Seminars soll ein Überblick über die vielschichtige, aber weitgehend unbekannte afrikanisch-deutsche Geschichte gegeben.

Stationen:

  • Wie alles begann: “Des Teufels Scharen”“ oder Verteidiger des Christentum
  • “Hofmohren” im 17. und 18. Jahrhundert
  • Afrikaner als “Erziehungsexperimente” im Zuge der Aufklärung
  • Angelo Soliman und Anton Wilhelm Amo – afrikanische Intellektuelle in Wien und Halle (18. Jhd.)
  • Abraham Petrowitsch Hannibal, der “Mohr des Zaren”
  • “Wilde Weiber aus Dahomey” – Afrikanische Völkerschauen in Köln und anderswo
  • Afrikanische Migranten in der Kaiserzeit zwischen Auflehnung und Anpassung
  • Afrikanische Soldaten in deutschen Diensten
  • Deutsch oder nicht Deutsch? – AfrikanerInnen in der Weimarer Republik
  • “Für die Rechte Arbeiter” – Das Hamburger “Negerbüro” und die kommunistische Internationale
  • “Rheinlandbastarde” und “Brown Babys”
  • afrikanisch-deutsche Familiengeschichten: Familie Massaquoi aus Liberia, Familie Bruce aus Togo, Familie Michael aus Kamerun
  • “Treu bis in den Tod?” – Menschen afrikanischer Herkunft im NS-Staat
  • Der Kampf um Wiedergutmachung – AfrikanerInnen im Nachkriegsdeutschland
  • “Deutsch sein und schwarz dazu” – Schwarze Deutsche erzählen ihr Leben
  • Wo kommst Du denn her? – Afrodeutsche Lebenswelten heute

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 40.