Jüdisches Erbe und seine Transformation – Dr. Heinz Tenhafen

Als das Christentum und der Islam sich die heiligen Schriften des Judentums aneigneten

Kurs-Nr: 120-22 | Vorlesung | 6 X 90 Min. | Dienstag 10:00 bis 11:30 Uhr

Kursgebühr: 125,- €

Termine: 14.01. / 21.01. / 28.01. / 10.03. / 17.03. / 24.03.2020

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Dr. Heinz Tenhafen

Kursbeschreibung:

Die Rezeption der heiligen Schriften der Juden durch die Christenheit der ersten beiden Jahrhunderte ist ein vielschichtiger Prozess und eine theologische Leistung von weltgeschichtlicher Bedeutung. Die frühe Kirche hat deren Verdrängung durch eigene neue Schriften widerstanden. Sie hat auch keine redaktionelle Bearbeitung derselben vorgenommen, sondern die zweigeteilte Einheit der heiligen Schrift hervorgebracht. Dies hatte erhebliche Folgen, weil mit der Aneignung die christologische Deutung jener Texte einherging. Genuin jüdischen Deutungen wurde schließlich die Legitimität abgesprochen. Vom 4. Jahrhundert an wurde diese Aneignung zur Ablehnung jüdischer Lesarten. Fortan war die Hebräische Bibel im Christentum das „Alte Testament“. Schon diese Bezeichnung veranschaulicht die Problematik. Die Lese- und Verstehensweise der christlich geprägten Leserschaft ist bis heute bestimmt durch die Sicht, das „Alte“ sei durch das „Neue“ ersetzt worden.

Auch im Koran finden sich Texte der Hebräischen Bibel, dessen Kodifizierung in der Mitte des 7. Jahrhunderts abgeschlossen war. Bei der Auswahl der Texte fällt die Konzentration auf das Buch Genesis auf. Immer wieder werden die Geschichten von der Schöpfung, von Abraham und Mose wiederholt. Sie erwecken den Eindruck, dass das Alte Testament reichhaltig im Koran vorhanden sei. Es scheint, als habe der Verfasser ein besonderes Interesse an den handelnden Personen, an ihrer Geschichte und an ihrem Auftrag. Der Leser sieht sich jedoch mit zahlreichen Umschreibungen dieser Geschichten konfrontiert.

Ähnlich verhält es sich mit Psalmtexten im Koran, die belehrend daherkommen, anstatt Gott als den Schöpfer und Erhalter alles Lebendigen zu preisen.

Wir machen den Versuch, den Prozess exegetischer Aneignung von Texten der Hebräischen Bibel in der frühen Christenheit und bei der Entstehung des Korans nachzuzeichnen.

 

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 40