„Generationengedächtnis“ oder „Unscharfe Erinnerungen“ – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Öffentliches, kollektives und persönliches Erinnern heute

Kurs-Nr: 122-03 | Seminar | 6 x 90 Min. | Donnerstag 10:00 – 11:30 Uhr

Kursgebühr: 142,- €

Termine: 03.03. / 10.03. / 17.03. / 24.03. / 31.03. /, 07.04. 2022

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kursbeschreibung:

Der Kurs setzt die im letzten Trimester begonnene Thematik fort, kann aber ohne vorherige Teilnahme besucht werden. 

Viele Menschen fangen irgendwann an, sich mit ihrer Familiengeschichte zu beschäftigen. Oft beginnt diese Beschäftigung mit der “Ahnenforschung” und der Erarbeitung eines Stammbaumes. Nicht selten wird dabei festgestellt, dass die persönliche Geschichte vielfach verwoben ist mit der Geschichte der jeweiligen Generation und auch mit der “großen” Geschichte. Die These steht im Raum, das öffentliches und persönliches Erinnern nicht voneinander zu trennen sind. Die Intensität der persönlichen Erinnerungen ist in Familien sehr unterschiedlich. Zum einen ist sie abhängig von den Erfahrungen und Erlebnissen in einer bestimmten Zeit, zum anderen hängt sie davon ab, ob das Erlebte eher verschwiegen und verdrängt wurde oder ob Erlebtes erzählt und verarbeitet wurde.

Veröffentlichungen von Autor*innen wie Sabine Bode, Bettina Alberti, Hartmut Radebold und nicht zuletzt Aleida Assmann eröffnen Zugänge zur Entwicklungsgeschichte des Erinnerns der so genannten Kriegskinder, Kriegsenkelkinder und Nachkriegskinder. Dabei wird diskutiert, welche Auswirkungen die „große“ Geschichte auf die Familien- und Personenbiographien hatte. Fragen nach den Folgen der eigenen oder elterlichen Kriegserfahrungen, von Flucht und Trauma, aber auch Widerstand gegen das NS-Regime, Mitläufertum oder Anhängerschaft nehmen inzwischen breiten Raum ein. Immer mehr diskutiert man über den Zusammenhang von individuellen, inter- und transgenerationalen sowie kollektiven Traumata.

Das Seminar wird sich aus unterschiedlichen Perspektiven Fragen der Erinnerungskultur der Kriegskinder, Kriegsenkelkinder und Nachkriegskinder nähern. Dabei soll auch untersucht werden, inwieweit persönliche Lebensgeschichten und öffentliche Geschichtsschreibung in Beziehung gesetzt werden können.

Eine zentrale Frage ist dabei, welche Bedeutung das autobiografische Erinnern für die Konstruktion der eigenen Identität hat. Darüber hinaus eröffnet das Seminar den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Ergebnisse eigener Forschungen zur Familiengeschichte sowie Bruchstücke und/oder Momentaufnahmen persönlicher Lebensgeschichten von sich selbst oder von ihrer Familie einzubringen.

Bei Interesse kann sich daraus auch ein kleines Projekt der (auto)biografischen Erinnerungsarbeit entwickeln.

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 32.