Gelobtes Land? Israel und der ungelöste Palästina-Konflikt – Harald Biskup

Kurs-Nr: 322-20 | Seminar | 6 x 90 Min. | Donnerstag 12:00 – 13:30 Uhr

Kursgebühr: 155,- €

Termine: Kurs kann auf Grund einer Erkrankung des Dozenten nicht stattfinden

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Harald Biskup

Kursbeschreibung:

Der Kurs beschreibt die wechselvolle und leidvolle, durch drei blutige Kriege, zahlreiche Aufstände, internationale Friedensbemühungen und gescheiterte Versuche, eine Zwei-Staaten-Lösung herbeizuführen, gekennzeichnete Geschichte Israels von der Staatsgründung 1948 bis zur Gegenwart. Behandelt wird auch die Rolle des Zionismus und der Kibbuz-Bewegung. Wir beschäftigen uns mit den entscheidenden politischen Gestalten von David Ben-Gurion, über Golda Meir, Rabin, Begin, Peres, Schamir, Netanjahu, bis aktuell zu Bennet und Lapid. Auf palästinensischer Seite beleuchten wir Macht und Ohnmacht der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmoud Abbas und seines legendären Vorgängers Arafat, außerdem die Ursachen für den Bruderkonflikt zwischen den zerstrittenen Organisationen Fatah und Hamas. Thematisiert wird auch der Dauerstreit um den Siedlungsbau in den besetzen Gebieten. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich Jerusalem als geistiges Zentrum der drei monotheistischen Weltreligionen und die Uneinigkeit zwischen ultraorthodoxen, gemäßigten und liberalen Juden Wir erörtern, warum der Tempelberg als Heiligtum und Politikum bis in die jüngste Zeit immer wieder zum Pulverfass wird. Gibt es Perspektiven für eine Zwei-Staaten-Lösung?

Stationen:

15.09.: Einführung und historischer Überblick von der Staatsgründung 1948 bis zur ersten Intifada 1987 bis 1993. Die Vorgeschichte der Entstehung des jüdischen Staates – Die Rolle des Zionismus und Theodor Herzls seit Ende des 19. Jahrhunderts –Die Rolle der britischen Mandatsmacht – Der Krieg 1947 bis 1949, ausgehend von einem Bürgerkrieg zu einem konventionellen Krieg zwischen dem neuen Staat Israel und den Armeen von Syrien, Ägypten, Libanon und dem Irak –

Nationalismus und Sozialismus: Die Kibbuz-Bewegung als ideal einer sozial gerechten Gesellschaft und lange tragende Säule der israelischen Identität – Sechs-Tage-Krieg 1967 und Jom Kippur Krieg 1973 – Friedensschluss mit Ägypten im Camp David-Abkommen. Friedensnobelpreis für Begin und Sadat 1978

 

22.09.: Die erste Intifada 1987 bis 1993. – Der Unmut über jahrelange Unterdrückung verschafft sich Luft. Vor allem jugendliche Palästinenser protestieren gewaltsam gegen die Okkupation (“Krieg der Steine”). Von der Wucht des Widerstands werden sowohl die israelische Armee als auch PLO-Chef Jassir Arafat überrascht.

Ursache der zweiten Intifada (2000 bis 2004): Besuch des israelischen Oppositionspolitikers Ariel Scharon auf dem Tempelberg. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Intifada.  Längerer Exkurs über Arafat- vom Revolutionär zum Staatsmann. Gründe für die Feindschaft zwischen Fatah und Hamas – Erinnerungen des Dozenten an einen Besuch in Ramallah kurz nach Arafats Tod im November 2004 an dessen Grabstätte.

 

29.09.: Die Folgen der zweiten Intifada. Durch die massive Zunahme von Selbstmordattentaten kommt es zu einem fast kompletten Zusammenbruch des Tourismus, vor allem von Reisen christlicher Pilgergruppen. Israel beginnt zur Abwehr gegen palästinensischen “Terror” 2002 mit dem Bau einer insgesamt 759 Kilometer langen Sperrmauer. Bethlehem, das nur zehn Kilometer von Jerusalem entfernt ist und in der Westbank liegt, leidet besonders unter der gewaltsamen Trennung. Für Tausende Palästinenser, die in Israel arbeiten, weil es im Westjordanland kaum Jobs gibt, wird der Weg zur Arbeit zum täglichen Spießrutenlauf mit schikanösen Kontrollen. Leben unter der Besatzung – Schilderungen aus eigenem Erleben des Dozenten.

 

13.10.: Heilige Erde – Unheiliges Land: Der Tempelberg, Al- Aqsa-Moschee, Klagemauer, Grabeskirche. Auf engstem Raum liegen dicht an dicht Stätten, die von Gläubigen der drei monotheistischen Weltreligionen verehrt werden. Nirgendwo auf der Welt sind Islam, Judentum und Christentum so eng verbunden wie hier, Immer wieder erweist sich der Tempelberg als Pulverfass – und als Hindernis für ein friedliches Miteinander.

 

20.10.: Das besondere deutsch-israelische Verhältnis. Durch persönliche Wertschätzung trugen David Ben-Gurion und Konrad Adenauer maßgeblich zur Versöhnung nach dem Holocaust bei. Es war ein langer und mühevoller Weg. Ein erstes Treffen fand 1960 in New York statt. Vereinbarungen über Wiedergutmachungsleistungen waren vorausgegangen. Am 12. Mai 1965, 20 Jahre nach Kriegsende, wurden diplomatische Beziehungen aufgenommen. Die deutsche Teilung und der Kalte Krieg hatten im Vorfeld zu komplizierten Spannungen geführt. Der ägyptische Präsident Nasser kritisierte scharf Waffenlieferungen Bonns an Israel, drohte mit einer Annäherung an die DDR und lud demonstrativ Walter Ulbricht nach Kairo in. Kanzler Ludwig Erhard befürchtete, dass weitere Nahost-Staaten dem Beispiel Ägyptens folgen könnten und stoppte vorübergehend die militärische Unterstützung Israels. Auch die Botschafterfrage erwies sich als heikel. Die DDR lehnte diplomatische Beziehungen und politische Verantwortung für die Shoa stets ab, weil man sich nicht als Nachfolgerin des Deutschen Reichs betrachtete. Erst die letzte Regierung unter de Maizière normalisierte das Verhältnis zu Jerusalem. Alle westdeutschen Regierungen waren trotz gelegentlicher Unstimmigkeiten um gute Beziehungen zu Israel bemüht. Seine Sicherheit zu unterstützen, sei Bestandteil der deutschen Staatsräson, formulierte Kanzlerin Merkel. Die Ampel-Koalition versicherte der israelischen Regierung Kontinuität in dieser Frage. Zur Diskussion: Wieviel Kritik an Israel ist angemessen?

 

27.10.: Das kleine Land, nur etwa so groß wie Hessen, ist ein Paradies für High Tech-Firmen. In keinem Staat der Welt gibt es – gemessen an der Einwohnerzahl – so viele Start-ups. Eine große Rolle bei der Entwicklung vom Agrarland zum High Tech-Wirtschaftswunderland spielt der hohe Bildungsgrad. Mehr als die Hälfte der Israelis zwischen 25 und 65 verfügt über einen Hochschulabschluss. Auch die Mentalität, Optimismus, Innovationsgeist, Mut und das Bestreben, nicht zu scheitern, erklären den gewaltigen Aufschwung. Viele der jungen Unternehmer haben in der hochmodernen und hochgerüsteten Armee nicht nur Kampfeswillen antrainiert bekommen, sondern auch Sinn für ständige technologische Neuerungen. Cyber-Angriffe abzuwehren könnten in der Zukunft noch entscheidender Sein als konventionelle Verteidigung, Die führende Bedeutung Israels auf dem Feld der Spitzentechnologie hat dazu geführt, dass alle großen Konzerne, darunter Microsoft, Google, IBM, Siemens oder Intel längst Forschungszentren im Land unterhalten. Schon sehr früh sind ausgeklügelte Bewässerungsanlagen in dem heißen Land ersonnen worden. Heutige Systeme sind die modernsten der Welt und setzen auch Künstliche Intelligenz ein, um die Landwirtschaft, vor allem Gemüse- und Obstanbau auch in extremen Trockenregionen mit Feuchtigkeit zu versorgen – mit einem Wasserverbrauch, der nur Bruchteile des Bedarfs früherer Anlagen ausmacht.

Zum Schluss:

Eine Chance für den Frieden? Visionen und Optionen für Israel und Palästina.

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 32.