“Fremdland zur Heimat wandeln nur die Frauen” – Frauen im deutschen Kolonialismus – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kurs-Nr: 322-01 | Seminar | 6 x 90 Min. | Donnerstag 10:00 – 11:30 Uhr

Kursgebühr: 155,- €

Termine: 15.09. / 22.09. / 29.09. / 13.10. / 20.10. / 27.10.2022

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kursbeschreibung:

Kolonialismus erscheint in den meisten Darstellungen bis heute als eine männliche Domäne. Frauen tauchen selten auf, werden höchstens einmal am Rande erwähnt. Und doch waren sie in den kolonialen Unternehmungen des Deutschen Reichs höchst präsent, ja konstituierten den deutschen Kolonialismus von Beginn an mit. Deutsche Frauen wirkten in Kolonialvereinen bei der Verankerung der kolonialen Idee in der Heimat mit oder lebten selbst in kolonialen Herrschaftsräumen als Täterinnen. Sie zögerten nicht, ebenso Gewalt auszuüben wie ihre männlichen Begleiter. Weiße Frauen hatten darüber hinaus maßgeblichen Anteil an den Diskursen zur Konstruktion von “Rasse” im deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Wenngleich die Partizipation der Frauen am Kolonialismus durchaus mit Emanzipationsphantasien einzelner Frauen einherging, kam der – weißen – deutschen Frau eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung der kolonialen Gesellschaften zu. Sie etablierte das Deutschtum in den überseeischen Gebieten und hatte vor allem für die “Reinhaltung” der “deutschen Rasse” zu sorgen.

Die einheimischen Frauen dagegen verkörperten Exotik und sexuelle Verführung. Zugleich wurden sie als willige Dienerinnen, als ungebildete und unattraktive Geschöpfe konstruiert, als die “anderen” Frauen, die den vermeintlich niedrigen Entwicklungsstand des kolonialisierten Landes zu verkörpern hatten. Aber einheimische Frauen waren keinesfalls nur Opfer, sondern handlungsmächtige Subjekte, die Widerstand leisteten oder ihre Position im kolonialen Machtgefüge selbst definierten.

 

Themen u.a.:

  • Imperiale Frauenverbände
  • “Germania führt die deutsche Frau nach Südwest”
  • Kolonialfrauenschulen
  • Reisende und schreibende Frauen: Frieda von Bülow – Begründerin des Kolonialromans, Meg Gehrts, eine Schauspielerin im Innern Togos, Marie Pauline Thorbecke, Auf der Savanne
  • Frauen als Täterinnen: Magdalene Prince und der Kopf des Mkawa, Ada Cramer und die Nilpferdpeitsche
  • Frauen in der Mission
  • Die “andere” Frau in der Kolonialliteratur
  • “Mischehen” und deren Nachkommen
  • Einheimische Frauen im kolonialen Kontext
  • Afrikanische/Afrodeutsche Frauen in Deutschland und Afrika: Die Schwestern Bruce und die Mission, “Ich bin ein Ausländer und werde ausgewiesen” – der Fall der Marie Hegner

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 32.