Denkmalsturz und #BlackLivesMatter auch bei uns? – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Der deutsche Kolonialismus und die Gegenwart der imperialen Vergangenheit.

Kurs-Nr: 320-02 | Seminar | 12 x 90 Min. | Donnerstag 10:00 – 11:30 Uhr

Kursgebühr: 259,- €

Termine: 17.09. / 24.09. / 01.10. / 08.10. / 22.10. / 29.10. / 05.11. / 12.11. / 19.11. / 26.11. / 03.12. / 10.12.2020

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kursbeschreibung:

Die Tötung des Afroamerikaners George Floyd löste nicht nur in den USA Proteste gegen Rassismus und für einen angemessenen Umgang mit dem historischen Erbe von Sklaverei und Kolonialismus aus. Die Welle der Proteste erreichte auch Deutschland und macht(e) eine breitere Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass diese Themen auch für unser Land relevant, aber viel zu wenig aufgearbeitet sind.

Tatsächlich ist die deutsche Kolonialvergangenheit in der Politik und in der Öffentlichkeit lange Zeit kaum präsent gewesen. Nach allgemeiner Ansicht war sie kurz, unerheblich und fand ein – aus deutscher Sicht – unrühmliches Ende. Auch im Schulunterricht wird das Thema nach wie vor kaum behandelt. Dass auch im deutschsprachigen Raum Unternehmer in den Sklavenhandel verwickelt waren, ist noch weniger bekannt.

Seit Jahren machen Initiativen und aktivistische Gruppen auf das problematische Erbe des Kolonialismus bei uns aufmerksam. In vielen Städten – so auch in Köln – gibt es Straßennamen mit kolonialen Bezügen, koloniale Denkmäler und Grabstätten kolonialer Täter. Häufig erschließen sich die kolonialen Bezüge im städtischen Raum nicht unmittelbar, weil der koloniale Ursprung oder Zusammenhang vergessen wurde. Hier sind zum Beispiel Museen, Universitäten, Zoos und Botanische Gärten als Orte kolonialer Wissensproduktion und Vermittlung zu erwähnen. Gerade die kritische Auseinandersetzung mit den Spuren, die sich nicht unmittelbar erschließen, steckt vielerorts in den Anfängen.

Ausgehend von den heftigen Diskussionen über das umstrittene Humboldtforum in Berlin, spricht man nun auch auf verschiedenen Ebenen über Museumsbestände und menschliche Überreste, die während der Kolonialzeit nach Deutschland gelangt sind. Wie gehen wir zukünftig damit um?

Dazu gibt es bereits seit längerer Zeit vor allem aus Namibia Forderungen an die Bundesregierung, sich für die während der Kolonialzeit verübten Gräuel zu entschuldigen und Reparationen zu zahlen.

Schließlich wird nicht erst seit den Denkmalstürzen in verschiedenen Ländern über eine angemessene Erinnerungskultur in Bezug auf den Kolonialismus gestritten.

Das Seminar fragt nach den deutschen Verwicklungen in den transatlantischen Sklavenhandel und gibt einen Überblick über die verschiedenen Phasen des deutschen Kolonialismus, betrachtet den Kolonialismus auch als Teil unserer Lokal- und Regionalgeschichte. Schließlich wollen wir uns intensiv mit den aktuellen Debatten zu Themen wie Entschuldigung und Versöhnung, Rückgabe und Reparation sowie Erinnerungskultur beschäftigen.

Themen werden u.a. sein:

  • Der deutsche Kolonialismus: eine Einführung
  • Kolonialismus ohne Kolonien
  • Kolonialrevisionismus der NS-Zeit
  • Das Rheinland und die Kolonien
  • Digitaler (Power Point) Stadtrundgang durch das koloniale Köln
  • Was vom Kolonialismus übrigblieb: Koloniale Spuren im öffentlichen Raum
  • Die Leichen im Keller: Menschliche Überreste aus den Kolonialgebieten in deutschen Sammlungen
  • Sammlungen dekolonialisieren: Woher kommen unsere Museumsbestände?
  • Das Verhältnis der BRD zu den ehemaligen Kolonien: Das Beispiel Namibia und der Kampf der Herero und Nama für Entschuldigung und Reparation.
  • Was bisher geschah: Der Einsatz lokaler Initiativen und aktivistischer Gruppen für eine angemessene Erinnerungskultur
  • Abschlussdiskussion: Vom Umgang mit einem schwierigen Erbe. Die Räume und Köpfe dekolonialisieren?

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 32.