Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Familienforschung, persönliches, kollektives und öffentliches Erinnern heute

Kurs-Nr: 321-03 | Seminar | 6 x 90 Min. | Donnerstag 10:00 – 11:30 Uhr

Kursgebühr: 142,- €

Termine: 04.11. / 11.11. / 25.11. / 02.12. / 09.12. / 16.12.2021 

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

Kursbeschreibung:

Viele Menschen fangen irgendwann an, sich mit ihrer Familiengeschichte zu beschäftigen. Sie stellen fest, dass ihre persönliche Geschichte vielfach verwoben ist mit der Geschichte ihrer jeweiligen Generation und auch mit der “großen” Geschichte. Die These steht im Raum, das öffentliches und persönliches Erinnern nicht voneinander zu trennen sind. Die Intensität der persönlichen Erinnerungen ist in Familien sehr unterschiedlich. Zum einen ist sie abhängig von den Erfahrungen und Erlebnissen in einer bestimmten Zeit, zum anderen hängt sie davon ab, ob das Erlebte eher verschwiegen und verdrängt wurde oder ob Erlebtes erzählt und verarbeitet wurde.

Veröffentlichungen von Autor*innen wie Sabine Bode, Bettina Alberti, Hartmut Radebold und nicht zuletzt Aleida Assmann eröffnen Zugänge zur Entwicklungsgeschichte des Erinnerns der so genannten Weltkriegskinder und Kriegsenkelkinder. Dabei wird diskutiert, welche Auswirkungen die “große” Geschichte auf die Familien- und Personenbiographien hatte. Fragen nach den Folgen der eigenen oder elterlichen Kriegserfahrungen, von Flucht und Trauma, aber auch Widerstand gegen das NS-Regime, Mitläufertum oder Anhängerschaft nehmen inzwischen breiten Raum ein.

Und auch in der jüngeren deutschen Literatur werden die Wechselwirkungen zwischen der öffentlichen Erinnerungskultur und der persönlichen Dimension des Erinnerns zum Ausdruck gebracht. Uwe Timms, “Am Beispiel meines Bruders” und Ulla Hahns “Unscharfe Bilder” sind zwei Beispiele, die für den Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus im familienbiographischen Kontext stehen.

Das Seminar wird sich aus unterschiedlichen Perspektiven Fragen der Erinnerungskultur der Kriegskinder und Kriegsenkelkinder nähern. Dabei soll beispielhaft untersucht werden, inwieweit persönliche Lebensgeschichte und öffentliche Geschichtsschreibung in Beziehung gesetzt werden können.

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 32.