Bestseller-Romane mit Tiefgang – Dr. Roberto Di Bella

Eine Auswahl deutschsprachiger und internationaler Werke

Kurs-Nr: 121-17 | Workshop/Seminar | 11 x 90 Min. | Donnerstag 14:00 – 15:30 Uhr

Kursgebühr: 185,- €

Termine: 14.01. / 21.01. / 04.02. / 18.02. / 25.02. / 04.03. / 11.03. / 18.03. / 25.03. / 15.04. / 22.04.2021

Ort: ausschließlich über Zoom

Dr. Roberto Di Bella

Kursbeschreibung:

Lesen ist Abenteuer für den Kopf und erweitert den Horizont – insbesondere anspruchsvolle Lektüre. Um Sprachkunstwerke sowohl formal als auch inhaltlich intensiver zu durchleuchten, greifen wir auf Analyseaspekte der Literaturwissenschaft zurück. Alle TeilnehmerInnen erhalten ein entsprechendes Handout bzw. Zusatzmaterialien zu den einzelnen Titeln, um unsere Gespräche begrifflich zu vertiefen. Dabei immer im Fokus: Teamwork und Dialog.

 

 

Die ausgewählten Titel in der Lese-Reihenfolge:

Albert Camus: Die Pest. Übersetzt aus dem Französischen von Uli Aumüller. Rowohlt 1998, 349 Seiten, 12,00 Euro (Taschenbuch).

In Zeiten, in denen die vertrauten Koordinaten der Welt aus dem Gleichgewicht geraten, erleben oft literarische Klassiker eine Renaissance. In seinem 1947 veröffentlichten Roman erzählt der französische Autor und Philosoph Albert Camus (1913-1960) davon, wie die Einwohner der nordalgerischen Hafenstadt Oran sich ein Jahr lang gegen die titelgebende Seuche stemmen. Die zeitlose Aktualität seines Romans liegt vielleicht darin begründet, dass die Epidemie in ihm nicht nur als reale Katastrophe mit Tausenden von Toten dargestellt wird. Die „Pest“ lässt sich ebenso deuten als Metapher des existentialistischen Denkers für das Unheil, das Menschen überfällt und bei den einen das Gute, bei anderen das Böse hervorruft.

 

»​Vollmond hinter fahlgelben Wolken«​. Literatur von Frauen aus vier Kontinenten. Hrsg. von Anita Djafari und Juergen Boos. Unionsverlag 2017, 352 Seiten, 14,95 Euro (Taschenbuch).

Mit 29 starken Geschichten von Liebe und Sexualität, Gewalt, Krieg und Politik, Familienalltag und Selbstverständnis, und nicht zuletzt vom Leben zwischen den Kulturen feiert diese Anthologie die Vielfalt internationaler, außereuropäischer Schriftstellerinnen: von Haiti bis Singapur, von Indien bis Argentinien, von Senegal bis Südkorea, von Saudi-Arabien bis Neuseeland. Die Anthologie erschien 2017 aus Anlass des dreißigjährigen Jubiläums des LiBeraturpreises, der jedes Jahr ein bestimmtes Werk einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt auszeichnet.

 

Chinua Achebe: Alles zerfällt. Aus dem Englischen neu übersetzt von Uda Strätling und Reinhild Böhnke. S. Fischer 2012, 237 Seiten, 20,60 Euro.

Alles zerfällt (“Things Fall Apart”) ist der erste Roman des nigerianischen Schriftstellers Chinua Achebe. Er erschien 1958 und wurde zu einem Meilenstein und zugleich Klassiker der afrikanischen Literatur. Seit dem Ersterscheinen des Romans wurde er in mehr als 45 Sprachen übersetzt (bereits 1959 erstmals ins Deutsche). Weltweit wurden über zehn Millionen Exemplare des Buches verkauft. Bis heute ist er das meistgelesene Buch eines afrikanischen Autors. Der Roman schildert an der Geschichte des Igbo-Kriegers Okonkwo, wie eine nach althergebrachten, patriarchalen Regeln funktionierende afrikanische Gesellschaft durch das Eindringen christlicher Missionare und kolonialer Herrschaft auf tragische Weise zerfällt.

 

Mark Twain: Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Herausgegeben und neu übersetzt von Andreas Nohl. Hanser Verlag, München 2010, 712 Seiten, 14,90 Euro (Taschenbuch).

“Ihr habt wahrscheinlich noch nichts von mir gehört, außer ihr habt das Buch ‘Tom Sawyers Abenteuer’ gelesen, aber das macht nichts. Das Buch hat Mr. Mark Twain geschrieben, und im Großen und Ganzen hat er die Wahrheit gesagt.” Die Abenteuer des Huckleberry Finn (im Original Adventures of Huckleberry Finn) ist der 1884 erschienene und erfolgreichste Roman von Mark Twain (d.i. Samuel Clemens, 1835-1910). Ernest Hemingway stellte das Werk später an den Anfang der gesamten neueren amerikanischen Literatur. Ein zeitloser Klassiker, der mitnichten nur als Jugendbuch zu lesen ist, sondern die eigene Zeit und Gesellschaft ironisch-kritisch analysiert. Wir lesen im Kurs nur den “Huckleberry Finn”. Trotzdem empfehle ich die Anschaffung der oben genannten Doppelausgabe in der viel gelobten Neuübersetzung von Andreas Nohl, die zudem einen ausführlichen Stellenkommentar enthält.

 

Daniel Kehlmann: Tyll. Rowohlt Verlag, Reinbek 2017; 480 Seiten, 12,00 Euro (Taschenbuch).

Tyll Ulenspiegel – Vagant, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen. Ihre Schicksale verbinden sich durch das erzählerische Können von Daniel Kehlmann (*1975) zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und mittendrin Tyll, jener rätselhafte Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben. Der raffiniert gebaute Roman, den viele für das bislang beste Buch des Autors halten, ist tiefgründig, grausam und doch von leichter Hand erzählt.

 

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 25