Antoni Tàpies i Puig: Kunst und Spiritualität – Dr. Marta Cencillo Ramírez

Rastloses Experimentieren auf der Suche nach unabhängiger Kunst

Kurs-Nr: 120-06 | Seminar | 6 x 90 Min. | Dienstag 10:00 – 11:30 Uhr 

Kursgebühr: 125,- €

Termine: 07.01. / 11.02. / 03.03. / 31.03. / 21.04. / 28.04.2020

Ort: Im Mediapark 7, Haus KOMED, Köln

Dr. Marta Cencillo Ramirez

Kursbeschreibung:

Sein Name ist ein Begriff: Antoni Tàpies i Puig (1923 – 2012), Maler, Graphiker und Bildhauer, einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, der bedeutendste Künstler des Informel Spaniens. Seine erdigen, rauflächigen Material-Malereien transportieren eine spirituelle Nachricht, sensibilisieren für eine Ästhetik des Zerfalls und beinhalten die Forderung nach unabhängiger Kunst.

Antoni Tàpies beginnt 1943 “halbherzig” das von der Familie vorgesehene Jura-Studium, aber er wird oft krank und bricht das Studium 1946 ab, um sein Heil in der Kunst zu suchen. 1948 gründet er mit Freunden die Avantgarde-Gruppe Dau al Set. In Paris begegnet er unter anderen seinem Idol Picasso und Jean Dubuffet, dem Erfinder der Art Brut.

Das Raue begeistert den jungen Spanier, er fügt feste Materialien wie Sand und Marmorstaub in seine Bilder ein, schafft auch Skulpturen. Sein Leben lang wird Tàpies experimentieren, rastlos. “Ich bin nie zufrieden. Ich suche immer nach einem besseren Bild”, sagt er selbst. Hochgeehrt lebt Tàpies in seiner Heimatstadt Barcelona, wo er 1984 seine Stiftung Fundació Antoni Tàpies gründet und 2010 als Marqués de Tàpies in den Adelsstand erhoben wird. Zwei Jahre später stirbt er, mit 88 Jahren (Text Galerie Wilmsen).

Antoni Tàpies hat sein Werk nie als abstrakt bezeichnen wollen. Und tatsächlich gibt es da durchaus kenntliche Zeichen. Eine Hand, ein Kreuz, die Ahnung einer Figur oder eines Gesichtes, Buchstaben, manchmal ein ganzes Wort.

“Meine Malerei stellt selbstverständlich nicht die Illustration irgendeines religiösen Glaubens dar. Sie versucht vielmehr, wie Yoga-Übungen und die buddhistischen Koans und Kasinas eine Technik zu sein, die zur Meditation und schließlich zur Erleuchtung hinführen möchte”.

Auf den Spuren Tàpies Weg zum führenden Exponenten der Material-Malerei schauen wir gemeinsam genauer auf künstlerische Vorbilder, auf den nachhaltigen Einfluss zahlreicher Künstler wie Picasso, Miró, den Surrealisten, der Art Brut und den Existentialisten, allen voran Sartre.

Werner Schmalenbach schreibt 1977: “Man könnte seine Kunst eine philosophische nennen, nicht, weil er philosophiert – das tut er in keiner Weise – , sondern weil er uns veranlasst zu philosophieren”. Den Fokus auf Tàpies gesellschaftspolitische und philosophische Haltung gesetzt, tauchen wir – soweit möglich – in die Gedankenwelt des Künstlers ein und profitieren von einer bereichernden und inspirierenden Verbindung von Kunst und Spiritualität.

  1. Tàpies Anfänge seiner künstlerischen Karriere ab 1946: Orientierung an Vincent van Gogh und Pablo Picasso, Einfluss durch die Werke Mirós, Max Ernst, Paul Klee und dem Surrealismus.
  2. Der Künstler und seine spirituelle Nachricht: Tàpies Nähe zum Zen-Buddhismus und seine Kritik an der Geldgier der modernen Gesellschaft.
  3. Tàpies Kunst der schroffen, erdigen und rauen Oberflächen, bei der das Material zum Ausdrucksträger wird:  Der Bruch mit tradierten Werten, eine Ästhetik des Zerfalls.
  4. Reduktion der künstlerischen Mittel auf das Wesentliche: Tàpies in Paris 1950 und die Begegnung mit der informellen Malerei (Jean Dubuffet, Art Brut).
  5. Die Sommermonate 1962 in St. Gallen und die dort entstandenen größeren Wandbilder für die Universität der Stadt.
  6. Tàpies öffentliche Forderung nach unabhängiger Kunst 1969 mit Wirkung z. B. bei Joseph Beuys und seine Werke dieser Zeit.

 

Hinweis: Maximale Teilnehmerzahl: 40