Russland im „Goldenen“ und „Silbernen“ Zeitalter seiner Kultur

Literatur, Philosophie, Wissenschaft, Musik, Theater, Kunst im „langen“ 19. Jahrhundert Russlands

 

Kurs-Nr: 315-08 | Vorlesung | 10 x 90 Minuten

Campuspauschale: 98 € x vier Monate oder
Einzelkursgebühr: 69 € x vier Monate (September bis Dezember 2015)

Dienstags 11.00 bis 12.30 Uhr | Termine: 13., 20., 27. Oktober; 03., 10., 17., 24. November sowie 01., 08. und 15. Dezember 2015

Im Mediapark 8a, 50670 Köln

Prof. Dr. Hans Hecker

 

Kursbeschreibung:

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Russland die Rolle einer dominierenden europäischen Großmacht spielte, die inneren Verhältnisse aber immer fragwürdiger und problematischer wurden, erlebte die russische Kultur eine stürmische Entwicklung. Namen wie Puschkin und Dostojewskij, Mussorgskij und Strawinskij, Repin und Kandinskij und viele andere markieren diesen Weg des Aufbruchs Russlands in die europäische Moderne. In thematisch-exemplarischen Kapiteln werden die Hauptlinien russischer Kultur, Kunst und Wissenschaft dargestellt.

Stationen: 

  • Russlands „langes“ 19. Jahrhundert
  • Russische Literatur von Puschkin bis Tolstoj und Gorkij
  • Russische Musik (Nationaloper)
  • Tanz und Theater als Gesamtkunstwerk
  • Malerei von den „Wanderern“ bis zu den Abstrakten
  • „Westler“, „Slawophile“ und andere
  • Geschichtsdenken und Geschichtsschreibung
  • Natur- und sonstige Wissenschaften

 

Vertiefende Kursinformation:

Die russische Politik lässt nur einen Blick auf die äußere Gestalt des Riesenreiches zu. Der Versuch, einem Verständnis für das Land und seine Menschen näher zu kommen, muss sich auf seine Geschichte und Kultur richten. Das auch für Russland „lange“ 19.Jahrhundert von der ausgehenden Herrschaft Katharinas II. bis zum Beginn der Sowjetära war von wachsender Diskrepanz zwischen äußerer Machtentfaltung und inneren Spannungen bestimmt. Während das russische Reich sich geographisch ausdehnte und mit den anderen Großmächten in immer schärfere Konkurrenz trat, scheiterten die zeitweiligen, stets unzulänglichen Bemühungen, den Entwicklungsrückstand im Inneren irgendwie in den Griff zu kriegen am Widerstand vielfacher Machtinteressen konservativer bis reaktionärer Strömungen und der strukturellen Schwerfälligkeit des Systems.

Unter diesen Verhältnissen suchten russische Dichter, Philosophen, Wissenschaftler und Künstler nach einem Selbstverständnis, das ihrem Land den Weg in die Moderne weisen, zugleich aber auch der Eigenart und den Traditionen Russlands bewahrend, kritisch oder ablehnend Rechnung tragen sollte. Während „Westler“ und „Slawophile“ in diesem Sinne debattierten, ohne die Abspaltung radikaler, revolutionärer Strömungen zu verhindern, deuteten Puschkin, Tschechow, Lermontow, Tolstoj oder Dostojewskij die soziale und psychische Situation der russischen Gesellschaft; im gleichen Sinne wirkten russische Komponisten von Glinka bis zum „Mächtigen Häuflein“, Maler wie Ilja Repin, Wassilij Kandinskij und etliche andere. Das russische Ballett stieg zu Weltruhm auf, Nikolaj Danilevskij entwarf in seinen Überlegungen zum Verhältnis zwischen Russland und Europa eine historische Typenlehre, mit der er spätere Denker wie Oswald Spengler beeinflusste, Naturwissenschaftler erforschten das riesige Land, Sofija Kovalevskaja wurde die erste Universitätsprofessorin für Mathematik überhaupt, und russische Historiker erarbeiteten sich nachhaltige Deutungsmacht nicht nur zur russischen, sondern auch zu wesentlichen Teilen der Weltgeschichte.

Die wesentlichen Bereiche dieser Geschichte russischer Kultur, Kunst und Wissenschaft werden exemplarisch in thematischen Kapiteln vorgestellt.