Europas Moderne – Dr. Matthias von Hellfeld

Kurs-Nr: 118-01 | Vorlesungen | 12 x 90 Min. | Donnerstags  18.00 – 19.30 Uhr

Kursgebühr: 199 €

Termine: 11.01., 18.01., 25.01., 01.02., 15.02., 22.02., 08.03., 15.03., 22.03., 12.04., 19.04., 26.04.2018

Mediapark 7, KOMED-Haus

Dr. Matthias von Hellfeld

Kursbeschreibung:

Mit der französischen Revolution kamen neue Ideen über den europäischen Kontinent. Die Rufe nach „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ waren auch in Teilen von Deutschland zu hören. Obwohl sich die europäischen Monarchien gegen die Revolution in Frankreich stemmten und nach dem Sieg über Napoleon ein restauratives politisches System entwickelten, konnten sie die Entwicklung zu Verfassungsstaaten, in denen die Krone an Recht und Gesetz gebunden war, nicht verhindern. Während in Griechenland, Belgien, Frankreich und Italien revolutionäre Erhebungen erfolgreich waren, siegte im deutschen Reich 1871 eine „Revolution von oben“: Die deutschen Fürsten riefen den preußischen König zu ihrem Kaiser aus – fernab der Heimat und des eigenen Volkes im Spiegelsaal von Versailles. 

Insbesondere die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts war von den Herausbildungen der Nationalstaaten und den Folgen der Industrialisierung gekennzeichnet. In Deutschland wurde innerhalb eines  Menschenlebens aus einem Agrarstaat ein hocheffizienter und moderner Industriestaat, der sich daran machte, seiner wirtschaftlichen Kraft mit militärischen Mitteln eine adäquate (welt-)politische Bedeutung zur Seite zu stellen. Das fatale Ergebnis dieser von Deutschland nicht allein verschuldeten Entwicklung war der Erste Weltkrieg, dessen verheerende Folgen in allen Staaten und Gesellschaften Europas nur noch durch den bald folgenden Zweiten Weltkrieg übertroffen wurden. 1945 stand Europa vor den Trümmern der einstigen Größe und Bedeutung und musste einen mühsamen, im Ergebnis aber erfolgreichen Neuanfang ins Werk setzen. 

Nach dem heißen Krieg begann 1945 der Kalte Krieg, der bis 1990 andauerte, Europa in vielfältige Krisen stürzte und seine etwa vier Jahrzehnte dauernde Spaltung bedeutete. Aus deutscher Sicht stechen dabei neben der erstaunlichen Aufbau- und Integrationsleistung (immerhin wurden mehr als 10 Millionen Flüchtlingen aus dem Osten Europas integriert) zwei politische Entscheidungen hervor: Zum einen die Westintegration der Adenauer-Regierungen in den 50er Jahren. Sie brachte den Westdeutschen politische Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstand, aber auch die Erkenntnis, dass eine deutsche Wiedervereinigung in weite Ferne gerückt war. Und zum anderen die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt. Sie bewirkte die Aussöhnung mit den Völkern Osteuropas und sorgte langfristig für eine Annäherung zwischen den verfeindeten Militärblöcken NATO und Warschauer Pakt. Die Beendigung des Kalten Kriegs, die politischen Umwälzungen in den Staaten Osteuropas und schließlich die deutsche Einheit sind ohne diese beiden politischen Grundsatzentscheidungen kaum zu verstehen.

Heute befindet sich der Kontinent wieder in einem Umbruch. Das schnelle Anwachsen der Mitgliedsländer der Europäischen Union hat zu sozialen Verwerfungen und politischen Veränderungen bei den neuen EU-Mitgliedern geführt, die kaum noch mit der Idee einer Europäischen Union in Einklang zu bringen sind. Scheitern oder Erfolg der EU hängen nicht zuletzt davon ab, dass die Europäer und ihre handelnden Politiker sich der gemeinsamen Geschichte bewusst sind und die richtigen – vor allem auf die Bewahrung des Friedens ausgerichteten – Schlüsse daraus ziehen.

 

 

 

Hinweis: Zur Vorbereitung auf die Vorlesung werden folgende Bücher empfohlen:

https://www.epubli.de/shop/buch/AKTE-EUROPA-Matthias-von-Hellfeld-9783844254396/28984

https://www.epubli.de/shop/buch/Die-Genese-Europas-III-Matthias-von-Hellfeld-9783844297669/38261